Balladenweg Molmerswende
Ein literarischer Rundweg um das Gottfried-August-Bürger-Museum Molmerswende
Am 5. Juli 2026 wurde der Balladenweg um das Gottfried-August-Bürger-Museum Molmerswende eröffnet. Die Wanderung führt durch die Landschaft von Bürgers Kindheit mit sechs Hörstationen, erarbeitet von Studierenden des Germanistischen Instituts der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg unter Leitung von Dr. Christiane Holm.
Das Projekt entstand in Kooperation mit dem Förderverein Gottfried-August-Bürger Molmerswende e. V. und dem MDR Kultur.
Die Audio-Beiträge der Hörstationen wurden eingesprochen von Moritz Bense, Johanna David, Christiane Holm, Charlotte Kohnert, Nele Thuge und Anja Pönisch. Die Originalzitate liest Lea Hochschild.
Wanderkarte mit Lage der Hörstationen
Die Wanderung hat eine Länge von 6,5 Kilometern und dauert inklusive der Hörstationen etwa 2 Stunden. Eine Karte finden Sie hier (Liebeswald Wanderung Molmerswende von Carsten Peschel).
Hörstation 1 | Einladung zum Wandern: Ballade und Bewegung
Dr. Christiane Holm
Die Bezeichnung Ballade kommt vom Tanzen. Mit ihren eindringlichen Klängen und Rhythmen versetzen Balladen uns innerlich und äußerlich in Bewegung.
Und dabei geht es stets um außergewöhnliche Grenzsituationen: den Einbruch des Grauens ins Alltägliche, drastische soziale Ungerechtigkeiten oder auch riskante Kunstproben.
Hörstation 2 | Auf der Schwelle: Schauer und Schrecken
Lea Hochschild und Anja Pönisch
In Gottfried August Bürgers tonangebender Ballade "Lenore" und in Johann Wolfgang Goethes "Braut von Konrinth" haust das Unheimliche im Vertrauten.
Beide setzen sprachlich um, was heute in Horrorfilmen mit Kameraführung und musikalischer Untermalung erreicht wird: Andeutungen, die zur Ahnung werden und schließlich im finalen Schrecken gipfeln.
Hörstation 3 | Abseits des Dorfes: Weiblicher Zorn
Johanna David und Paula Reuter
Zwei Frauenfiguren erfahren dieselbe Demütigung. Was sich in den hundert Jahren zwischen den beiden Balladen "Des Pfarrers Tochter von Taubenhain" von Gottfried August Bürger und "Ein modernes Weib" von Maria Janitschek verändert hat, zeigt sich vor allem in ihrem Zorn.
Dabei werfen sie dieselbe Fraue auf: Welche Handlungsmöglichkeiten bleiben, wenn Frauen Unrecht erfahren, ohne dass die Rechtsprechung eingreift?
Hörstation 4 | Am Wasserspeicher: Geschrieben wie gesprochen
Moritz Bense und Sophie-Helene Kühne
In der Bewegung des Sturm und Drang rebellierten junge Autoren gegen die etablierte Literatursprache. Gottfried August Bürger war einer der ersten, der dem Stilideal des gesprochenen Wortes folgte.
In seinen Balladen "Die Schatzgräber" und "Die Weiber von Weinsberg" zeigt er, wie anfällig diese vermeintlich einfache Sprache für folgenreiche Missverständnisse ist.
Hörstation 5 | Am Wildgatter: Ungleichheit und Gerechtigkeit
Charlotte Kohnert und Lilia Schlote
Gottfried August Bürger war ein scharfer Beobachter gesellschaftlicher Ungleichheiten. Mit seinen Balladen "Der brave Mann" und "Der wilde Jäger" entwirft er zwei Figuren, wie sie gegensätzlicher nicht sein könnten: Den mittellosen Superhelden und den mächtigen Erzbösewicht.
Bei aller Erzählfreude geht es um eine präzise Analyse des Verhältnisses von Geld und Leben.
Hörstation 6 | Am Dichter-Denkmal: Unstimmiges Erzählen
Mathilda Herr und Nele Thuge
Die Erzählmuster der Ballade lassen sich am besten dort greifen, wo wir uns lesend oder hörend immer wieder einen neuen Reim auf das Geschehen machen müssen.
So unterschiedlich Elise Bürgers "Rudolf der Nonnenräuber" und Annette von Droste-Hülshoffs "Die Schwestern" in Ton und Thema sind, beide führen mit raffiniert eingesetzten Unstimmigkeiten vor, wie eine Ballade funktioniert.
Audios © MDR Kultur
Fotos © Sophie-Helene Kühne
Die Inhalte sind für Kinder erst ab 12 Jahren geeignet.



